Dörfliche Großräume

Herausforderung: Dörfliche Großräume

Manche Kirchengemeinden erstrecken sich über 100 Quadratkilometer. 30 Dörfer liegen in diesem Gebiet! Im Zuge von Regionalisierung und der Bildung sog. Schwesternkirchverhältnisse wird die Zahl der Dörfer, für die ein/e Pfarrer/in zuständig ist, immer größer. Die Kirche steht zwar noch im Dorf, aber dennoch werden die Wege zum Gottesdienst oder zu kirchlichen Angeboten immer weiter.

Gemeinde pflanzen bedeutet, auf solche Herausforderungen kreativ zu reagieren. Zum Beispiel in dörflichen Großräumen in einzelnen Dörfern durch von Ehrenamtlichen verantwortete Gottesdienste, Hauskreise und anderes Gemeindeleben neu gestalten.

Gemeindepflanzung in dörflichen Großräumen

Bei aller Bedeutung der Städte und Ballungsgebiete für das politische, soziale und das kirchliche Leben darf aber nicht vergessen werden, dass viele Menschen auf dem Land wohnen. Es ist sogar wieder ein neuer Trend festzustellen zu einem Rückzug in die Dörfer. Für viele verkörpern sie Überschaubarkeit, weithin doch noch intakte Strukturen und vom Lebensgefühl her auch weniger Hektik und mehr Sicherheit. Mit anderen Worten: Unsere Dörfer sind ein wichtiges missionarisches Arbeitsfeld!

Wo, wie in den neuen Bundesländern Dörfer und ganze ländliche Gebiete das Gegenteil, nämlich Bevölkerungsabbau erleben, bleibt die Frage, wie die, die zurückgeblieben sind, kirchlich versorgt werden können und entsteht neu die Frage, wie bisher vom Glauben nicht Erreichte missionarisch erreicht werden können.

Auf diese Herausforderungen gibt es eine mögliche Antwort, nämlich Gemeindepflanzung in dörflichen Räumen und in dörflichen Großräumen.

Jeder, der auf dem Land lebt, weiß, dass jedes Dorf wieder anders ist als sein Nachbarort. Hier gilt ganz klar das lokale Prinzip. Es stimmt der viel zitierte Satz, dass man die Kirche im Dorf lassen soll. Aber nicht in jedem Dorf gibt es eine Kirche und nicht überall wo eine Kirche steht, ist sie auch mit Leben gefüllt. Wer Liebe zu den Dörfern und ihren Bewohnern hat, der möchte sie auch mit der frohen Botschaft von Jesus Christus erreichen. Jesus ging nicht nur in die Städte, sondern auch in alle Dörfer (Matth. 9, 35).

Ein Pfarrer oder eine Pfarrerin sind bereits ausgelastet mit der kirchlichen Versorgung. Wer macht sich auf, um die Menschen in den Dörfern anzusprechen und zum Glauben einzuladen? Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen aber nicht nur Handlanger des Pfarrers oder der Pfarrerin sein. Sie wollen autorisiert werden, sie brauchen Handlungsvollmacht. Kompetenz muss durch Berufung, Schulung und Fortbildung entstehen. Lokale Mitarbeiterteams können die Menschen lokal am besten erreichen. Diese ganzheitliche Sicht ist die effektivste, denn sie nimmt die normalen, alltäglichen Begegnungen und Beziehungen ernst. Der Missionsbefehl Jesus spricht die ethnischen Einheiten an. Strenggenommen ist jedes einzelne Dorf in unserem Land, mit einem gewissen Lokalkolorit versehen, eine eigene ethnische Einheit.

Gemeindepflanzungsteams vor Ort können Gemeinden neu starten. Mit Rückendeckung durch Pfarramt und Kirchenvorstand können sie sich menschlich, geistlich und missionarisch entfalten. Wo dies geschieht, kann in Kirchengemeinden mit mehreren Dörfern unter dem Dach der Gesamtkirchengemeinde Gemeindepflanzung an mehreren Stellen geschehen. So können schließlich multizentrale Gemeinden wachsen, deren kirchliches Leben tief greift, weil es zwischenmenschlich verankert ist und echt ist. Unsere Dörfer rufen förmlich nach Gemeindepflanzung als effektivstem missionarischen Prinzip.

Werner Schleifenbaum, Gemeindepfarrer Rückeroth/Ww.

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