Zielgruppen
Herausforderung: Zielgruppen
Der Gottesdienst ist für alle da! Untersuchungen aber zeigen, dass wir manche Gruppen nur schwer erreichen: Singles, Pendler, junge Familien mit ihrem Alltag aus Job, Erziehungs- und Hausarbeit, Patchwork-Jobber, die jungen Alten, Städter um die Dreißig usw.
Gemeinde pflanzen bedeutet, auf solche Herausforderungen kreativ zu reagieren. Zum Beispiel für Zielgruppen, die bisher nicht oder nur schlecht erreicht werden, Gottesdienste oder andere auf ein bestimmtes Milieu zugeschnittene Angebote anbieten.
Nach der Milieutheorie von Gerhard Schulze erreicht die Kirche vorwiegend Menschen aus dem Harmonie- und Integrationsmilieu. Andere Milieus sind im kirchlichen Alltag deutlich seltener anzutreffen. Hier kann und will church planting andere Milieus in den Blick bekommen und erreichen.
Zielgruppen, die erreicht werden sollen, werden in der Regel durch das Alter bzw. durch ihre gesellschaftliche Zugehörigkeit definiert. So kann es z.B. Jugendgemeinden geben, aber auch Pflanzungen für junge Erwachsene oder Angehörige der mittleren Generation. Es sind Pflanzungen für Familien mit kleineren Kindern denkbar oder Gemeinden für Singles bzw. Paare ohne Kinder. Für ein zielgruppenorientiertes Projekt ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden im Team selbst dieser Zielgruppe angehören bzw. ihr nahe stehen.
Mittels einer Umfrage bzw. einer Felduntersuchung werden Bedürfnisse und Erwartungen der ausgewählten Zielgruppe erhoben. An Hand der Ergebnisse werden Angebote und Veranstaltungstypen entwickelt. Diese Veranstaltungen können in säkularen Räumen oder aber auch in kirchlichen Gebäuden stattfinden. Abendveranstaltungen sind ebenso denkbar wie Angebote am Sonntagnachmittag. Neben der Werbung in Printmedien bzw. Internet ist auch hier persönliche Begegnung die Brücke zu den Menschen.
Wie bei anderen church planting - Projekten ist auch bei einer Gemeindepflanzug für eine bestimmte Zielgruppe, ein regelmäßiger Gottesdienst (mindestens einmal im Monat) in der Regel die erste Einstiegs - bzw. Kontaktveranstaltung. Hier wird es sich um interaktive Gottesdienstmodelle mit hohem Erlebnischarakter handeln. Elemente der Bewegung und des Gesprächs sind für das Rahmenprogramm unverzichtbar. Andere Angebote werden sich stark an den Bedürfnissen der ausgewählten Zielgruppe orientieren.
Im Blick auf sozial benachteiligte Menschen können dies diakonische Angebote sein, wie z. B. Beratungs- und Betreuungsangebote für Kinder und Erwachsene. Themenorientierte Abende, Kurse und Diskussionsforen sind Angebote für Menschen aus dem Niveaumilieu. Je regelmäßiger die Veranstaltungen angeboten werden und je integrativer sie sind, um so schneller wird sich ein Gemeindebewusstsein bilden.
Menschen werden sich zunächst der gttesdienstlichen Gemeinde verbunden fühlen. Erst später spielt die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde als solcher eine Rolle. Hier ist das Modell der Tochtergemeinden denkbar, Gemeindepflanzung als unselbständige Einrichtung einer Kirchengemeinde. Ebenso ist eine Gemeindepflanzung auch als selbständige Gemeinde eines Kirchenkreises, eines Dekanats o.ä. denkbar, wenn die dafür notwendigen kirchenrechtlichen Schritte unternommen wurden.
Entscheidend wird sein, dass auch in einer zielgruppenorientierten Pflanzung ein offener einladender Charakter erhalten bleibt und sie nicht zu einer geschlossenen Insider - Gruppe wird.
Wolfgang Fuchs, Evangelischer Gemeindedienst in Württemberg

