Viele Menschen suchen heute nach dem christlichen Glauben wie nach einem verloren gegangenen Schatz. Vielleicht wird ihr Interesse am Glauben auch durch christliche Freunde wieder neu bzw. erstmalig geweckt. Wie können diese Menschen heute gezielt etwas über den christlichen Glauben erfahren?
Bei ´Distanzierten` entsteht häufig dort eine Offenheit für das Gespräch über den Glauben, wo Christen ihnen mit frischen, kulturell relevanten und authentischen Ausdrucksformen des Glaubens begegnen. Fragende und suchende Zeitgenossen lassen sich häufig durch Gottesdienste in lockerer Form, zu anderen Zeiten oder an ungewöhnlichen Orten ansprechen. Sie bieten oft hervorragende Kontaktflächen für das Angebot von Glaubenskursen.
Grundkurse des Glaubens sind in den vergangenen fünfzehn Jahren vermutlich deshalb immer stärker nachgefragt worden, weil sie eine systematische Heranführung an den Glauben bieten.
Qualitätsmerkmale zeitgemäßer Glaubenskurse sind u.a.:
- Elementar: Ihnen liegt daran, biblische Zusammenhänge nicht durch Fachbegriffe, sondern in alltagsrelevanter und verständlicher Sprache auszudrücken.
- Persönlich: Kerninhalte des Glaubens werden nicht isoliert dargestellt, sondern im Kontext der Lebenserfahrungen der Kursteilnehmer betrachtet.
- Prozessorientiert: Die Teilnehmer sind eingebunden in einen strukturierten und in der Praxis bewährten Lernprozess, der dennoch Freiräume zur Gestaltung ermöglicht.
- Partizipierend: Sie arbeiten mit vielfältigen Methoden und ermöglichen den Teilnehmer einen hohen Grad an Beteiligung.
- Dialogisch: In kleinen Lerngruppen werden zentrale Fragen des Glaubens und des Lebens durch das gemeinsame Gespräch und die authentische Begegnung erschlossen. Menschen möchten wissen, wie Andere glauben.
- Einladend: Den Teilnehmer wird nicht ein bestimmtes Verständnis des Glaubens „aufgedrängt“, sondern sie entscheiden frei, welche Bindung zum Glauben und zur Gemeinde sie eingehen möchten.
- Liturgisch-ganzheitlicher Aspekt: Über die reine Vermittlung von Wissen hinaus unterstützen sie die Teilnehmer in der Einübung christlichen Lebens.
- Handlungsorientiert: Sie ermutigen die Teilnehmer darin, eigene Schritte im Glauben zu unternehmen.
Vorteilhaft wirkt sich häufig aus, dass vielen Menschen das Kurssystem z.B. von Volkshochschulen oder durch berufliche Weiterbildung bekannt ist. Die klare Erkennbarkeit des Angebots, die konkrete Ausrichtung auf die Bedürfnisse bestimmter Zielgruppen und ein überschaubares (zeitlich befristetes), verbindliches Engagement machen Grundkurse des Glaubens für Neugierige und Einsteiger attraktiv.
Grundkurse des Glaubens können dann ihr volles Potential entfalten, wenn sie nicht isoliert vom übrigen Gemeindeprogramm stattfinden, sondern integraler Bestandteil eines missionarischen Konzepts von Gemeindeaufbau sind.
Mehr als je zuvor spielt die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen für den Gemeindeaufbau eine zentrale Rolle. Sich in dieser Hinsicht zu orientieren und Gemeindeglieder dafür zu motivieren ist für Menschen, die in einer Gemeinde Leitungsverantwortung tragen, eine wichtige Herausforderung. Denn die Erfahrung zeigt, dass für die Teilnahme von Randsiedlern der Gemeinde oder sogar von Außenstehenden häufig ein persönlicher Kontakt zu einem Christen voranging oder dass als angenehm und weiterbringend erlebte Gemeindeveranstaltungen den Ausschlag gegeben haben.
Eine Gemeinde, die ihren missionarischen Auftrag ernst nimmt und offen sein möchte für die Menschen, die noch nicht zu ihr gehören, wird regelmäßig Glaubenskurse anbieten. Wie kaum ein zweites Instrument gemeindepädagogischer Arbeit eignen sich Glaubenskurse deshalb hervorragend als „Einsteiger-Modul“ für Menschen, die neu zu einer Gemeinde hinzukommen.
Gleichzeitig verändern sie die Mentalität einer Gemeinde. Je gastfreundlicher sie ist, desto größer ist die Chance, dass Menschen von außen hinzukommen und bleiben. Langfristig gesehen tragen Glaubenskurse zu einer kontinuierlichen Erneuerung einer Gemeinde bei.
Die Funktion von Glaubenskursen in der Gemeinde kann man wie folgt beschreiben:
- Katechetisch: Sie konzentrieren sich auf wesentliche Themenbereiche des Glaubens und tragen zu einer Festigung des Wissens über zentrale Aussagen des Evangeliums bei. Sie trainieren die Sprachfähigkeit über den Glauben.
- Missionarisch: Sie ermöglichen Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde die Erst- oder Wiederbegegnung mit der biblischen Botschaft.
- Sozial: Sie wirken sich positiv auf das Beziehungsnetz einer Gemeinde aus, weil im Kurs Beziehungen mit anderen Menschen geknüpft oder vertieft werden. Die Teilnehmer werden ermutigt und angeleitet, in der Gemeinde ein Zuhause zu finden.
Glaubenskurse sind Instrumente, mit der die Kirche auch insgesamt ihrem Bildungsauftrag in der modernen Gesellschaft nachkommen kann. Bischof Huber beschrieb diesen Auftrag in seinem Buch „Kirche in der Zeitenwende“ 1999 so: "Der Bildungsauftrag der Kirche dient dem Aufbau persönlicher Überzeugungen in Fragen der religiösen und ethischen Orientierung."
Gewiss kann man Glauben nicht lernen wie man sich z.B. Wissen in Anatomie aneignet. Aber Wissen bildet das Fundament, zu dem Erfahrungen hinzu kommen müssen. Moderne Glaubenskurse beziehen beide Ebenen mit ein.





