Die 3 Phasen

EMMAUS ist kein reiner Glaubenskurs, sondern vielmehr ein Konzept für einen beziehungsorientierten Gemeindeaufbau, ein Prozess, der aus drei Phasen besteht:

Phase 1 - Begegnen

EMMAUS beginnt nicht erst, wenn der erste Abend des Basiskurses stattfindet, sondern weit vorher: EMMAUS fängt an, wenn sich eine Gemeinde auf den Weg zu den "Entkirchlichten" macht. Sie lässt sich auf einen Weg zu den Menschen in ihrem Umfeld ein, der gewiss auch Veränderungen für die Gemeinde mit sich bringen wird. Wie diese Begegnungen mit den Menschen außerhalb der Gemeinde initiiert und inszeniert werden können, davon handelt ein großer Teil des Handbuchs.

Die Gemeinde:

  • gerät ins Staunen darüber, mit wie vielen Menschen sie bereits in Kontakt kommt (z.B. mit Eltern in einem kirchlichen Kindergarten, Konfi-Eltern oder im Zusammenhang mit Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten), und beginnt, diese fantasievoll zu nutzen.
  • entdeckt das missionarische Potential ihrer Veranstaltungen und Gottesdienste
  • nimmt Chancen und Grenzen ihres eignen Lebensstils wahr und sucht nach Wegen, über Barrieren hinweg neue Beziehungen aufzubauen.
  • unterstützt ihre Glieder darin, dass diese ihre persönlichen Kontakte zu Arbeitskollegen, Sportsfreunden oder Nachbarn als Brücke in die Gemeinde wahrnehmen und nutzen (ohne diese Beziehungen zu instrumentalisieren!).
  • lässt sich auf einen Weg der Entwicklung und Veränderung ein.
  • fragt nach, wie sie ihre Arbeit so ausrichten kann, dass Menschen mit Begeisterung davon erzählen und andere neugierig werden.
  • entwickelt eine Kultur der Gastfreundschaft durch Mitgehen, Hören und Fragen, durch das Achten auf die Bedürfnisse der anderen, durch Atmosphäre und gemeinsames Essen, und übt die Haltung Jesu ein, wie sie in der biblischen Geschichte von den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus dargestellt ist.
  • schafft Räume für die zwanglose Begegnung mit anderen Menschen.

Dieser Schritt kostet Zeit und darf auch Zeit kosten – denn nur, wenn er ernst genommen wird und - zumindest ansatzweise – gelingt, macht es Sinn, zum Basiskurs einzuladen.

Phase 2 - Begleiten

Menschen, die in den zurückliegenden Monaten Kontakt zur Gemeinde bekommen haben und dort Beziehungen aufbauen konnten, werden gezielt zu einem EMMAUS-Basiskurs eingeladen. Dieser besteht aus drei Blöcken, die sich gut in das Kirchenjahr einpassen lassen: "Was Christen glauben" - "Wie Christen wachsen" - "Als Christ im Alltag leben".

In einer Kleingruppe von max. 8 bis 12 Personen treffen sich Christen aus der Gemeinde und Menschen, die Fragen an den christlichen Glauben haben und erste Erfahrungen auf dem Weg des Glaubens sammeln wollen.

In diesem Miteinander spielen beim EMMAUS-Kurs diejenigen, die einen Menschen auf dem Weg des Glaubens gezielt begleiten, eine entscheidende Rolle. Sie werden Weggefährten genannt. Durch die Weggefährten erfahren Suchende und Gäste menschliche Nähe und Wertschätzung und lernen dadurch, sich als Teil einer Glaubensgemeinschaft zu sehen. Durch den Weggefährten entstehen Beziehungen zwischen dem Suchenden und einzelnen Mitgliedern der Gemeinde.

Es empfiehlt sich daher, dass Suchende und Weggefährten gemeinsam eine EMMAUS-Gruppe bilden. So wird der Basiskurs zu einer Art Mikrokosmos der Gemeinde: Am Glauben interessierte Menschen und überzeugte Christen entdecken und erfahren gemeinsam, was es bedeutet, mit Christus zu leben. Die Aufgabe des Weggefährten ist es, ein liebevoller Begleiter und lebendiger Wegweiser zu Christus zu sein. Jeder kann Weggefährte sein.

Optional können als "Wegmarken" verschiedene Gottesdienste in den Basiskurs integriert werden. Der Materialband enthält dazu vier Vorschläge.

Die Stärken des EMMAUS-Kurses sind sein kommunikativer Charakter und sein flexibler Lernweg. Der Glaube wird nicht durch Vortrag vermittelt, sondern (wie zwischen Jesus und den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus) im persönlichen Gespräch Schritt für Schritt gemeinsam entdeckt. So erscheinen manche Lebenserfahrungen, die die Teilnehmenden im Gespräch einbringen, durch das Evangelium plötzlich in einem anderen Licht.

Der EMMAUS-Kurs knüpft damit an die altkirchliche Tradition des begleiteten Taufweges an.

Phase 3 - Bestärken

Im Glauben kommt es nicht nur auf einen guten Anfang an. Es liegt auch in der Verantwortung der Gemeinde, Menschen im Wachsen des Glaubens zu unterstützen. EMMAUS unterscheidet sich von anderen Kursmodellen dadurch, dass nach dem Basiskurs nicht einfach Schluss ist, sondern weiterführende Kurse wahrgenommen werden können. Sie zielen darauf ab, Menschen insbesondere in den ersten zwei Jahren ihrer Nachfolge zu einem tieferen Verständnis des Glaubens zu verhelfen. Die Themen des Basiskurses werden in den acht weiteren Materialbüchern intensiver entfaltet. Gemeinden, die diese Verantwortung ernst nehmen, gehen also noch eine "zweite oder dritte Meile" mit.