Seit jeher überschreitet Mission Grenzen, nationale oder kulturelle. Ohne die Mission der Apostel und Generationen missionarisch gesinnter Christinnen und Christen nach ihnen wäre der Glaube nie über die Region hinausgewachsen, in der Jesus zu seinen Lebzeiten wirkte, nie nach Europa gelangt oder gar auf andere Kontinente.

Die keltischen
Wandermönche …
… hatten ein sehr kontext- und kultursensibles Verständnis von Mission. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung brachten sie den Glauben von Irland kommend in weite Teile Mitteleuropas, indem sie Beziehungen aufbauten, mit den Menschen lebten, ihr Vertrauen gewannen und auf diese Weise die Kultur von innen heraus veränderten – behutsam und beherzt. Nicht immer jedoch war Mission vom Geist des Evangeliums getragen, sondern fand im Gefolge von Eroberungen statt, sei es von den Römern oder später zur Zeit des Kolonialismus. Deswegen muss Geschichte und Gegenwart christlicher Mission auch Gegenstand (selbst-)kritischer Reflexion sein.
Vernachlässigung der
Leidenschaft?
Gleichwohl darf eine kritische Auseinandersetzung mit Mission nicht zu ihrer vollkommenen Aufgabe führen. Eine Kirche, die ihre missionarische Leidenschaft vernachlässigt, riskiert nicht nur ihren Fortbestand, sondern verliert an innovativer Kraft und verlässt den Boden des Evangeliums. Prüfstein für eine wertschätzende Art und Weise von Mission ist das 2011 veröffentlichte Papier „Mission Respekt“. Es wurde von der wohl breitesten Koalition von Kirchen und globalen Netzwerken (Katholische Kirche, ÖRK, Weltverband der Ev. Allianz, Lausanner Bewegung und viele andere) gemeinsam erarbeitet. Mission, die dem Aspekt des ökumenischen Lernens Raum gibt und Wege aufzeigt, wie wir gemeinsam Zeugnis geben können, ist oft sehr bereichernd für alle Beteiligten.
Größte Dynamik in großer Herausforderung
Heute erleben wir die größte Dynamik des Christentums auf der südlichen Hemisphäre, während die Kirchen hierzulande erschöpft wirken. Wir müssen daher fragen, wie uns missionstheologische Impulse von anderen Kontinenten in der Kirchenentwicklung helfen können. Auch sind wir aus theologischen und sozialen Gründen herausgefordert das weit verbreitete Nebeneinander von internationalen und einheimischen Gemeinden in Deutschland zu überwinden. Das Potenzial von Migrations- oder Diasporagemeinden in Europa wird weithin unterschätzt. Wie können Gemeinden einen Prozess interkultureller Öffnung einschlagen? Wie wird die Vielfalt christlichen Lebens in Deutschland öffentlich sichtbarer?








